Willkommen im AMF

 Sie sind nicht eingeloggt!
 Bitte Loggen Sie sich ein
 oder registrieren Sie sich.


 AMF-Anzeigen

Anzeigen




 Foren-Schnellauswahl

» Zentrale
» Rezeption
» Alternative Musik
» Lifestyle
» Alternative Charts
» Konzerte
» Rezensionen
» Promote Your Music
» Band Forum
» Musik Produktion
» Kino,TV, Entertainment
» Musik Allgemein
» Board-Bistro


 Werbung




 Kontakte und Informationen

» Foren Regeln
» Signatur Regeln
» Haftungsausschluss
» Impressum
» Team


Zurück   AMF > Alternative Musik > Musik Allgemein

Playlist Of The Week

Antwort
 
LinkBack Themen-Optionen Ansicht
  #41  
Alt 08.11.09, 19:56
Benutzerbild von boneless
einfach aber simpel
 
Registriert seit: 12.2007
Ort: Naked City
Beiträge: 10.945
Geschlecht: Männlich
Katatonia - Night is the new day

man war sich natürlich schon vorher einig: diese platte wird weder schlecht noch mittelmäßig.nach einem vorabschmankerl wie forsaker sowiso nicht.und ja: diese platte ist ein weiterer schritt in richtung unsterblichkeit für katatonia.die behauptungen,dies werde die härteste aller katatoniaplatten vom sound her, kann zwar nicht bestätigt werden, aber gut ist sie trotzdem.fast schon zu gut.eine platte wie aus einem guss.zwar ist für mich persönlich der grandiose vorgängers immernoch ein paar nasenlängen vorraus, aber in sachen songwriting ist diese platte ähnlich genial.subtile stimmungen, warme hoffnungslosigkeit und schlichtweg große emotionen.songs aufzuzählen,wäre ein sinnloses unterfangen, denn jeder der 12 (inklusive des bonustracks) hat seine großen momente und vereinamt völlig.und das sich katatonia mit dieser platte endgültig an die spitze im bereich: emotinale refrains schieben, ist ein weiterer aspekt,der die wichtigkeit dieses albums nur unterstreicht.
vorerst: 8/10

desweiteren war diese woche (deutsche) hip-hopzeit:

Torch - Blauer Samt und Rag - Unter tage bestimmten meine playlist in dieser woche.großartige ryms, grundehrliche (und absolut grandiose) texte und sachte beats.ein nicht enden wollender flow und die ruhe im kern machen diese beiden alben zu unverzichtbaren glanztaten deutscher rapkunst.
beide 9/10

neben intellktuellen wörtern gabs diese woche auch wieder herrlich flaches vom meister des schlechten geschmacks: taktloss
ein herr,der die meinungen derart spaltet,ist alles, nur nicht langweilig.
besonders die ep mit abstract rude bietet einen derart genialen mix aus amerikanischem underground und deutschem witz und ist für taktloss-verhältnisse erstaunlich sachte, was die lyrische seite angeht.empfehlung!
8/10

sonst lief:

Kongh - Counting heartbeats (8,5/10) und shadows of the shapeless (7/10)
William Basinski - 92982 (6/10)
Sleep - Holy mountain (9/10)
The pains of being pure at heart - S/T (7/10)
Saint Vitus - S/T (9/10) und Mournful cries (8/10)
Deadbird - Twilight ritual (8/10)
__________________
a flower
will open
on the grave

Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #42  
Alt 08.11.09, 19:59
Benutzerbild von Nicname
Twistin' and turnin'
 
Registriert seit: 02.2009
Ort: Düsseldorf
Beiträge: 7.296
Geschlecht: Männlich
Zitat:
Zitat von boneless Beitrag anzeigen
William Basinski - 92982 (8/10)
Fixed.
__________________

Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #43  
Alt 08.11.09, 20:05
Benutzerbild von boneless
einfach aber simpel
 
Registriert seit: 12.2007
Ort: Naked City
Beiträge: 10.945
Geschlecht: Männlich
Zitat:
Zitat von Nicname Beitrag anzeigen
Fixed.
anstatt zu nerven, mach doch mal lieber mit, ficker ...und ich bleibe dabei: basinski macht okayen, aber fast nie berührenden ambient.das ist mir viel zu steril und herzlos...
__________________
a flower
will open
on the grave

Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #44  
Alt 08.11.09, 20:19
Benutzerbild von Nicname
Twistin' and turnin'
 
Registriert seit: 02.2009
Ort: Düsseldorf
Beiträge: 7.296
Geschlecht: Männlich
Zitat:
Zitat von boneless Beitrag anzeigen
anstatt zu nerven, mach doch mal lieber mit, ficker ...und ich bleibe dabei: basinski macht Ambient, der jeden berührt. Ansonsten hat man ein Herz aus Stein.
Fixed. :P

Ich hab keine Lust aufzuschreiben, was ich die Woche gehört habe. Das ist zu viel, da ich ja nur albenweise höre.
__________________

Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #45  
Alt 09.11.09, 01:52
Benutzerbild von Bier am Fuß
unterbelichtet
 
Registriert seit: 03.2007
Beiträge: 7.704
Geschlecht: Weiblich
Zitat:
Zitat von Nicname Beitrag anzeigen
da ich ja nur albenweise höre.
ich gehe davon aus dass die meisten hier so verfahren......
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #46  
Alt 09.11.09, 19:08
Benutzerbild von boneless
einfach aber simpel
 
Registriert seit: 12.2007
Ort: Naked City
Beiträge: 10.945
Geschlecht: Männlich
Zitat:
Zitat von Nicname Beitrag anzeigen
Fixed. :P

Ich hab keine Lust aufzuschreiben, was ich die Woche gehört habe. Das ist zu viel, da ich ja nur albenweise höre.
ich finde es immer wieder lustig,sowas von einem zu lesen,der vor kurzem basinski noch stink öde fand.haha.

ach ja: faule sau.
__________________
a flower
will open
on the grave

Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #47  
Alt 09.11.09, 19:43
Benutzerbild von Nicname
Twistin' and turnin'
 
Registriert seit: 02.2009
Ort: Düsseldorf
Beiträge: 7.296
Geschlecht: Männlich
Zitat:
Zitat von boneless Beitrag anzeigen
ich finde es immer wieder lustig,sowas von einem zu lesen,der vor kurzem basinski noch stink öde fand.haha.
Ich fand den ersten Durchgang öde. Aber Basinski war so ziemlich mein Ambient-Einstieg.
__________________

Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #48  
Alt 15.11.09, 16:22
Benutzerbild von ascension
mu
 
Registriert seit: 02.2009
Beiträge: 2.967
Muff Potter - Gute Aussicht
die musikalische Weiterentwicklung der Band liefert den cleveren Texten von Nagel eine große Bühne. Punk-Rock von feinsten, verspielt, tanzbar. Zenit.

Captain Planet - Inselwissen / Wasser kommt Wasser geht
die Band die sich noch entwickelt, ernsthaft ist, aber keinen Anspruch auf gültige Antworten hat. Höre ich so gerne zu.

ira - visions of a landscape
die Band live erlebt und danach erst die Konserve gehört. Will sie auch auf cd so annehmen was noch nicht ganz gelingt.

Pendikel - Don't cry, Mondgesicht
noch immer das größte deutschsprachige Album. Ein Griff nach den Sternen und Du fühlst das sie darüber erschrocken sind und die Hand reflexartig zurückgezogen haben. Angst auf das Siegertreppchen zu kommen und wahrgenommen zu werden. Eine linke Platte für den Herbst nach der Wahl. Melancholisch und stolz.
__________________

One has to come to terms with one's own mortality. You know, you can't really help people who are having problems with mortality if you've got problems of your own, so you have to begin to sort things out.
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #49  
Alt 15.11.09, 18:09
Benutzerbild von melting-snow
hates the fat old sun
 
Registriert seit: 05.2009
Ort: In einem Land vor unserer Zeit.
Beiträge: 131
Geschlecht: Weiblich
*auch wieder mal im forum ist*

The Antlers - Hospice
Deftones - Saturday Night Wrist
Slut - Lookbook

passt einfach nicht zusammen
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #50  
Alt 23.11.09, 18:39
Benutzerbild von spreewaldgurkenfee
confuzzled
 
Registriert seit: 08.2008
Beiträge: 3.205
Für Pain of Salvations "The Perfect Element I"...

...braucht man eigentlich ziemlich starke Nerven. Dies liegt einerseits am Konzept; erzählt wird eine fast filmreife Geschichte vom Aufeinandertreffen zweier eher vom Leben geschassten Menschen, gespickt mit leichter Unterhaltung wie sexuellem Missbrauch, Drogen und Gewalt in den thematischen Stützpunkten und mit dem Fokus auf der Aufarbeitung und Beziehung der beiden Hauptprotagonisten gerichtet. Musikalisch bewegt man sich im Spannungsfeld zwischen Dream Theater, Faith No More, Savatage und der angedunkelten Melodieseligkeit von Sentenced, will eigentlich schon fast zu viel, macht aber denoch ziemlich viel richtig. Gewiss; mit pathetischen Gesten und Melodramatik geht man nicht eben zimperlich um, die Kitschgrenze schrammt man teils auf nicht mehr wirklich genießbare Art (schon fast ein generelles Problem von melodiebetontem Prog Metal, scheint es mir) und Sänger Daniel Gildenlöw schmeißt einem mit seinem exaltierten Vortrag und seiner Gesangsakrobatik in einer Art und Weise sein Seelenleben vor die Füße (was auf dem Folgealbum "Remedy Lane" allerdings noch "schlimmer" werden sollte), dass man das Ganze teilweise fast ohne schlechtes Gewissen over the top finden kann. Und doch gibt es sie, diese besonderen Momente, in denen man vom Melodiegespür der Band schlichtweg erstaunt ist, in denen einen tatsächlich wahnsinnig emotionale Parts in die Mangel nehmen, in denen alles ganz wunderbar Sinn ergibt. So gut wären Dream Theater gerne mal [/Polemik aus].

YouTube - Pain of Salvation - In the Flesh
YouTube - Pain of Salvation - "King of Loss"


Tristania...

...trennten sich 2000 von Morten Veland (oder umgekehrt *schulterzuck*), dem Mann, der als Hauptsongwriter maßgeblich dafür verantwortlich war, dass "Beyond The Veil" seinen genreintern hohen Status erreichte. Ob man diesen Umstand dem ein Jahr darauf erscheinenden "World of Glass" anhört? Nö. Zumindest springt es einen nicht direkt an. Im Grunde klingt WOG wie die logische Fortsetzung seines Vorgängers; immer noch fährt man die symphonisch-bombastische, relativ harte und komplexe Schiene des Gothic Metal, vielleicht rückte der Gesang von Vibeke Stene etwas mehr in den Vordergrund, vielleicht klingt die Produktion etwas weniger organisch. Der Hauptkritikpunkt bleibt der, dass all der bleischwere Pomp, der maßlose, geradezu megalomanische Einsatz von Chor-, Orchester- und Keyboardwänden die Kompositionen unter seinem Gewicht erstickt, dennoch ist "World of Glass" besser, als ich es in Erinnerung hatte. Es offenbart sich einem, wenn man sich denn darauf einlässt, eine Detailfülle und ein Einfallsreichtum, die man (zumindest) im (aktuelleren) Gothic Metal vielleicht gar nicht gewohnt ist, insofern ist meine Sympathie gegenüber der Band eventuell an eine gewisse Wehmut gekoppelt. Vor allem aber haben Tristania das gepachtet, was zahlreichen Kollegen schlicht fehlt: Stil und Eleganz, die selbst eigentlich knietief im Kitsch stehende Nummern wie "Deadlocked" noch ganz und gar unpeinlich und anmutig wirken lassen. Ach ja, der Hauptgrund, weshalb ich das Album mal wieder vom unterm Sofa hervorgeholt habe, liegt im brillanten Opener "The Shining Path", dem wohl besten Song von Tristania: schon allein dieser Einstieg mit den Choralgesängen und dem erdrutschartigen Drumming - atemberaubend!
PS: Die Streicher sind ein Traum!

YouTube - Tristania - The Shining Path
YouTube - Tristania - Tender Trip on Earth
YouTube - Tristania - Hatred Grows


Von den "EP's and Rarities" von The 3rd and the Mortal...

...habe ich mich diese Woche insbesondere der '93er EP "Sorrow" gewidmet. Was darauf geboten wird, ist im Prinzip schon sehr nah dran am Debütalbum "Tears Laid In Earth": irgendwo zwischen Prog Rock, Folk, Ethereal Wave der Marke frühe Love Spirals Downwards, This Ascension und frühe Cocteau Twins und Black Sabbath in feminin angesiedelt und vom glockenhellen Gesang Kari Rueslattens veredelt sind die wunderhübschen Songperlen, deren musikalische Essenz schon bald als Blaupause für den Gothic Metal mit Frontfrau diesen sollte. Naturromantik und Melancholie ohne Kitsch, musikalische/technische Komplexität (das Drumming erweckt bei mir diesen Eindruck...) ohne Selbstzweck, einfach ungemein bezaubernde und faszinierende Musik.

The 3rd and the Mortal bei MySpace Music - Kostenlos MP3s anhören, Bilder & Musikvideos ansehen ("Ring of Fire")


Anstatt mich plichtbewusst meinen Neuerwerbungen zu widmen, habe ich diese Woche verstärkt "Wings of Joy", das Debütalbum von Cranes, gehört...

...und dazu wurde meinerseits eigentlich bereits alles gesagt. Ein so betörendes wie verstörendes, so zuckersüßes wie gruseliges, vor alleim aber absolut einzigartiges Album!

Cranes bei MySpace Music - Kostenlos MP3s anhören, Bilder & Musikvideos ansehen


The Velvet Underground - The Velvet Underground & Nico...

...hat diese Woche ebenfalls verstärkt seine Runden im Hause der Fee gedreht. Es ist schon so, dass das 1967 erschienene Album seinen Reiz zum Teil auch aus seinem zeitlichen Kontext bezieht, in dem es zutiefst provokant und abgründig war, der Psychedelic Rock und gewissermaßen auch die Gothic-Bewegung vorwegnahm und mit seinen Grundthematiken Sex, Drogen und auf eine zynische Art und Weise Dekadenz irgendwie slightly out of place wirkte. Vor allem aber ist "The Velvet Underground & Nico" bis heute noch ungemein zeitlos, relevant und vor allem einflussreich; Bands und Künstler von Sonic Youth bis PJ Harvey berufen sich auf die im Umfeld von Andy Warhol entstandene Band, und für mich klingt/klang Mark E. Smith, Sänger und Alleinherrscher von The Fall, auch oftmals nach einer nochmal wesentlich arroganteren Version von Lou Reed. Der Grund, weshalb ich das Album nochmal entstaubt habe, ist aber "Venus in Furs": Diese sägenden Streicher, diese trägen Gitarren (bin ich übrigens die Einzige, die sich an Swans erinnert fühlt?)...herrlich! Und überhaupt, gibt es einen besseren Song über S/M?

YouTube - velvet underground - venus in furs
YouTube - Velvet Underground - All Tomorrow's Parties (mit der großartigen Nico...Hymne!)
YouTube - The Velvet Underground - Heroin (song only)


Soap&Skin - Lovetune for Vacuum

Zitat:
Der Opener "Sleep" vollbringt gleich mit den ersten Tönen etwas, was andere Bands/Künstler bei ihren Alben eigentlich möglichst zu vermeiden versuchen; der Hörer fühlt sich sogleich wenig willkommen und fehl am Platz, als hätte er etwas Wesentliches bereits verpasst. I lay on the floor, they asked me what I do tonight, it answers: "Search for the moon".

Leicht macht sie es einem zu Beginn ja eigentlich nicht, diese Anja Plaschg. Auch beim seltsam positiv gestimmten Akkordeon-Schlaflied "Cry Wolf" erlangt der Hörer noch kein Gefühl der Sicherheit und Orientierung. Und auch nicht, als "Thanatos" plötzlich so zielgerichtet und unvermittelt in eine schwarze Leere fällt. Das Stück strahlt eine durchgehende sakrale Dramatik aus, das Donnergrollen des Klaviers hämmert ins Bodenlose, Plaschg erhebt sich immer wieder zum eindringlichen Klagegesang. Nun findet man sich schon halbwegs im Album zurecht, die Pupille hat sich den Lichtverhältnissen entsprechend geweitet. Soap&Skin versteht es nur allzu gut, jede Fußnote und jedes Nebengeräusch nach Schmerz, ihre Klavierläufe regelrecht erlitten klingen zu lassen. Die junge Österreicherin hat dabei noch ein weiteres Ass im Ärmel: die elektronischen Einflüsse sind nach der ersten EP mit einem Remix von Fennesz geblieben. Sie klingen dabei selten wirklich angenehm und harmonisch, sondern oftmals bewusst störend; beim Opener "Sleep", vor allem aber beim Instrumental "Turbine Womb" schafft ihr industrialisierter, ratternder Klang im Klanggebilde einen Kontrast, der die vermittelte Anmut kreissägenartig aufschneidet. Der das ängstlich, unentschlossen stolpernde "Fall Foliage" gleichsam zerstört und ihm ein stabiles Fundament bietet. Der neben der eigenartigen, rein elektronisch gehaltenen Klangcollage "DDMMYYYY" in der Beziehung wohl wirkungsvollste Song ist das äußerst treffend betitelte "Marche Funebre". Das Klangbild aus kalten, abgehackt wirkenden elektronischen Streichersequenzen und sakralem, entferntem Gesang lässt in der Form fast an eine Grabesversion von Portishead denken, immer wieder vernimmt man im inszenierten Industriekomplex zwischen Maschinenrattern auch leidvolle Schreie, die sofort von Stille verschluckt werden.
In diesem Aquarellbild, vornehmlich bestehend aus ineinander verlaufenden Blau-, Schwarz- und Grautönen, wirkt "Spiracle" wie ein dunkler Tintenfleck. Eher rhythmisch ausgerichtetes Spiel, eine sehr simple, aufgeräumte Nummer, und doch; dieser Schrei, dieses leise, gebrochene "Please help me…" als sowas-wie-Refrain - Atemstocken, unweigerlich.

Soap&Skin beweist, dass sie es vorzüglich draufhat, dem Hörer mitleidslos ein Nadelkissen ins Herz zu rammen. Doch sie kann auch anders; ganz sanft, tröstend, einlullend. Zumindest der Anfang von "Turbine Womb", "Extinguish Me", vor allem aber auch "Mr. Gaunt Pt 1000" vermitteln diese Atmosphäre und können einen ganz wunderbar auffangen, wenn man gerade kurz davor war, den Kopf gegen die Wand zu schlagen. Perfekte, malerisch schöne Klavierläufe und eine fragile Stimme, die in dieser musikalischen Kulisse ganz wundervoll zur Geltung kommt, ein Gefühl, als falle man in den kalten, weichen frischgefallenen Schnee.

Wenn man an ähnlich gelagerter Musik (also wohl Singer-Songwriter) auch nur ansatzweise Interesse zeigt, nein, es reichte eigentlich schon ein flüchtiger Blick Richtung SpOn oder einer beliebigen allgemeinen Musikwebsite oder entsprechenden Zeitschrift, so gab es an Soap&Skins Debütalbum 2009 kein Vorbeikommen. Als neue Sensation wurde sie allerorts gefeiert, so oft als "Wunderkind" (ob ihres Alters; zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war sie gerade mal 18) betitelt, dass wohl niemand mehr mitzählen könnte. Irgendwo zwischen Nicos "The Marble Index" und PJ Harveys "White Chalk" sind ihre überwiegend klavierbasierten Kompositionen angelegt. Meist um die drei Minuten lang, manchmal sogar kürzer, nicht selten hat man den Eindruck, Plaschg hätte den Stücken die Luftzufuhr abgewürgt, bevor sie ein letztes Mal nach Luft schnappen konnten. Trauermärsche und Totenlieder, ernste, tiefdunkle Musik, die man, wäre mit dem Begriff nicht ein gewisser musikhistorischer Kontext und viel aktuellerer Mist verbunden, wohl als "Gothic" bezeichnen würde. Dieser eigentlich schon leicht groteske Hype um ihre Person und auch der überdeutlich zur Schau gestellte künstlerische Anspruch verführen geradezu dazu, "Lovetune for Vacuum" wie einen riesigen Luftballon mit einem gezielten Nadelstich einfach platzen zu lassen, eine angebliche Substanzlosigkeit und Überambition hinter der artsy-fartsy-Fassade zu entlarven. Und doch; Plaschg greift die Hand mit der Nadel und lässt eine Tiefe, bzw. eher noch einen regelrechten Abgrund erblicken, in den man als Hören nicht schauen und von dem man sich nicht in die Seele blicken lassen will – zumindest nicht in jeder Lebenslage. Hat "Lovetune for Vacuum" einen aber in der richtigen Lebenslage erwischt, hatte man ein bestimmtes Schlüsselerlebnis, so gibt es eigentlich kein Halten mehr für die Nadelkissen und den Pulverschnee. Und schließlich erwischt man sich dabei, in den Hype-Kanon einzustimmen und überschwängliche Reviews zu verfassen...hach ja.


YouTube - Soap&Skin - Thanatos (official video)
YouTube - Soap&Skin - Marche Funèbre (Shock Corridor, 1963)
YouTube - Soap&Skin. Mr. Gaunt Pt 1000

Sonst noch so:

John Coltrane - My Favorite Things
Miles Davis - Bitches brew
Fever Ray - Live In Lulea
Nick Cave and the Bad Seeds - The Good Son
Nico - The Marble Index
__________________
When I was young, I invented an invisible friend called Mr. Ravioli. My psychiatrist says I don't need him anymore, so he just sits in the corner and reads.

Geändert von spreewaldgurkenfee (23.11.09 um 18:49 Uhr).
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #51  
Alt 23.11.09, 22:48
Benutzerbild von Oenis
auf auf und davon
 
Registriert seit: 11.2009
Ort: zone
Beiträge: 4.498
Geschlecht: Männlich
wow, so, äh, allgemein, fee, machst du das beruflich, rezensionen schreiben?
ar ieh ess pieh ieh sieh tieh!
__________________
ich habe einen block, auf dem wichtige notizen steht
aber es steht nichts drin
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #52  
Alt 24.11.09, 16:36
Benutzerbild von spreewaldgurkenfee
confuzzled
 
Registriert seit: 08.2008
Beiträge: 3.205
Zitat:
Zitat von Oenis Beitrag anzeigen
wow, so, äh, allgemein, fee, machst du das beruflich, rezensionen schreiben?
ar ieh ess pieh ieh sieh tieh!
Beruflich gehe ich zur Schule. :p
Labertaschentum ist insofern nur ein Hobby von mir.
__________________
When I was young, I invented an invisible friend called Mr. Ravioli. My psychiatrist says I don't need him anymore, so he just sits in the corner and reads.
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #53  
Alt 24.11.09, 18:05
Benutzerbild von Oenis
auf auf und davon
 
Registriert seit: 11.2009
Ort: zone
Beiträge: 4.498
Geschlecht: Männlich
kannste ja mal in erwägung ziehen :O und so.
__________________
ich habe einen block, auf dem wichtige notizen steht
aber es steht nichts drin
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #54  
Alt 25.11.09, 14:20
Benutzerbild von ascension
mu
 
Registriert seit: 02.2009
Beiträge: 2.967
und das schöne an ihr ist, das sie einen so tollen Musikgeschmack hat!
__________________

One has to come to terms with one's own mortality. You know, you can't really help people who are having problems with mortality if you've got problems of your own, so you have to begin to sort things out.
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #55  
Alt 25.11.09, 23:46
Benutzerbild von ode to the sun
Name-Drops
 
Registriert seit: 11.2007
Ort: Osnabrück
Beiträge: 4.368
Geschlecht: Männlich
Silversun Pickups - Carnavas
Radiohead - Ok Computer
The xx - xx
Eliott Smith - Figurine 8
Eliott Smith - XO
Buried Inside - Chronclast
Emery - The Question
Unbroken - Life. Love. Regret.
Agalloch - Ashes Against the Grain
American Football - American Football
From Autumn to Ashes - Holding A Wolf By The Ears
Oh, Sleeper - When I am God
7 Angels 7 Plagues - Jhazmyne's Lullaby
Strata - Presentig The End Of The World
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #56  
Alt 25.11.09, 23:56
Benutzerbild von ascension
mu
 
Registriert seit: 02.2009
Beiträge: 2.967
Wieder Element Of Crime aber ich werde kein ganzes Album anhören sondern endlich mal anfangen eine persönliche Playlist zu machen.

Wer Ich Wirklich Bin [Die Schönen Rosen]
Weißes Papier
Und Du wartest [Weißes Papier]
An einem Sonntag im April
Abendbrot [Die Schönen Rosen]

Kerze auspust und ins Bett geh. Nacht!
__________________

One has to come to terms with one's own mortality. You know, you can't really help people who are having problems with mortality if you've got problems of your own, so you have to begin to sort things out.
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #57  
Alt 26.11.09, 01:23
Benutzerbild von Hirnsuppe
Rambazamba Achterbahn!
 
Registriert seit: 07.2007
Beiträge: 5.955
Meine Playlist des Tages:

eigentlich fast ausschließlich Death from above 1979 mit dem Titel "Too much Love" und Sebastien Grainger (der Drummer und Sänger von Death from above 1979) & the Mountains, vor allem der Song "It's a living", welcher leider nicht auf dem Album, sondern lediglich auf 'ner Single ist.

Hier das Video:

Sebastien Grainger - It's a living

vor allem das Saxophon find ich endgeil.
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #58  
Alt 29.11.09, 11:57
Benutzerbild von spreewaldgurkenfee
confuzzled
 
Registriert seit: 08.2008
Beiträge: 3.205
Die dieswöchige Playlist gibt irgendwie nicht so viel her...


Godspeed You! Black Emperor - F#A#oo

The car's on fire and there's no driver at the wheel
And the sewers are all muddied with a thousand lonely suicides
And a dark wind blows
The government is corrupt
And we're on so many drugs
With the radio on and the curtains drawn

We're trapped in the belly of this horrible machine
And the machine is bleeding to death

The sun has fallen down
And the billboards are all leering
And the flags are all dead at the top of their poles

It went like this

The buildings tumbled in on themselves
Mothers clutching babies picked through the rubble and pulled out their hair

The skyline was beautiful on fire
All twisted metal stretching upwards
Everything washed in a thin orange haze

I said, "Kiss me, you're beautiful..
These are truly the last days"

You grabbed my hand and we fell into it
Like a daydream or a fever

We woke up one morning and fell a little further down
For sure it's the valley of death

I open up my wallet
And it's full of blood


Irgendwo im Nirgendwo zwischen Oktober und November, Tag und Nacht. Der Tank ist leer, irgendwas mit Sturmwarnung im Radio. Der Wind bläst über die graubraunen Kornfelder. Die dunkelgrauen Wolkenmassen verschlucken die Farben der Schilder. Noch viele Meilen bis zur nächten Stadt. The valley of death. Irgendwo entfernt das Rattern des Güterzugs auf den Gleisen. Er steigt aus und stolpert entlang der Landstraße. Langsam, die Hände ausbreitend. Es ist immer noch kalt und windig, die Luft ist feucht und elektrifiziert, es fallen die ersten Regentropfen. Über sein Gesicht strömen Tränen.

Breitwandig konzipierte, cineastische, wahnsinnig schwermütige, isolative Musik (man denke allein an diese Szene aus "28 Days Later", unterlegt mit "East Hastings"...), Tragik ohne Pathos, kein Gesang (nur gelegentlich Samples), aber ungemein viel zu sagen. Lang ausgewalzte, mit minutenlangen Field Recordings versehene Symphonien, die Russian Circles- & Fastfood-Postrock-Fans nicht lange bei der Stange halten können und deren Schönheit bei der ständigen Aura von Post-Apokalypse, Wertlosigkeit und Depression auch Interpretationssache ist. Ich würde nicht behaupten, mich sonderlich gut im Genre auszukennen, aber: möglicherweise das beste Post Rock-Album aller Zeiten.

YouTube - Godspeed You! Black Emperor - Dead Flag Blues [1 of 2]
YouTube - Godspeed You! Black Emperor - Dead Flag Blues [2 of 2]


Pain of Salvation - Remedy Lane...

...ist vielleicht etwas rockiger und kompakter als sein Vorgänger, vielleicht etwas introvertierter und nicht ganz so stark neigend zur großen Geste, im Prinzip in musikalischer Hinsicht aber gar nicht soooo weit entfernt von "The Perfect Element I":
Zitat:
Musikalisch bewegt man sich im Spannungsfeld zwischen Dream Theater, Faith No More, Savatage und der angedunkelten Melodieseligkeit von Sentenced, will eigentlich schon fast zu viel, macht aber denoch ziemlich viel richtig. Gewiss; mit pathetischen Gesten und Melodramatik geht man nicht eben zimperlich um, die Kitschgrenze schrammt man teils auf nicht mehr wirklich genießbare Art (schon fast ein generelles Problem von melodiebetontem Prog Metal, scheint es mir) und Sänger Daniel Gildenlöw schmeißt einem mit seinem exaltierten Vortrag und seiner Gesangsakrobatik in einer Art und Weise sein Seelenleben vor die Füße (was auf dem Folgealbum "Remedy Lane" allerdings noch "schlimmer" werden sollte), dass man das Ganze teilweise fast ohne schlechtes Gewissen over the top finden kann. Und doch gibt es sie, diese besonderen Momente, in denen man vom Melodiegespür der Band schlichtweg erstaunt ist, in denen einen tatsächlich wahnsinnig emotionale Parts in die Mangel nehmen, in denen alles ganz wunderbar Sinn ergibt. So gut wären Dream Theater gerne mal [/Polemik aus].
In textlicher Hinsicht entfernt Daniel Gildenlöw sich vom fiktiven Konzept und verlagert sich auf Autobiographisches, worin wohl teilweise auch der Grund dafür liegt, dass "Remedy Lane" einerseits emotional unmittelbarer und intensiver, andererseits schwieriger zu hören als sein Vorgänger ist; man fühlt sich als Hörer, als würde man heimlich in Gildenlöws Tagebuch blättern, es schwingt beim Hören von "Of Two Beginnings" und "A Trace of Blood" auch immer ein schlechtes Gewissen ob unangenehmen Voyeurismus mit, doch Breitwanddramen wie "Ending Theme" und insbesondere "Undertow" und Textzeilen wie "We will always be so much more human than we wish to be..." nehmen einen dann doch in die Mangel - ob man will oder nicht. EinAlbum, das ich nicht begreife und wohl auch lange nicht begreifen werde, das ich eigentlich nicht hören, von dem ich mich allerdings auch nicht losreißen kann.

YouTube - Pain Of Salvation - Ending Theme
YouTube - Pain Of Salvation - Undertow
YouTube - Pain of Salvation - Beyond the Pale


Aus gegebenem Anlass (bald neues Album; schön größewahnsinniges Konzept, CD, DVD und Buch umfassend) lief bei mir auch mal wieder "Annwyn, Beneath the Waves", das zweite Album von Faith and the Muse. Man bewegte ich zwischen keltischem Folk, Mittelalter, modernem Gothic Rock und gelegentlichen, an die musikalische Vergangenheit von William Faith und Chanteuse Monica Richards erinnernden Deathrock-Gitarren, spart nicht an Pomp und Opulenz, neigt vielleicht auch durchaus zu Esoterik-Kitsch, das aber mit Stil und bis heute deutlich origineller und mitreißender als das Groß vermeintlicher Kollegen. Den größten Vorzug und gleichzeitig das größte Problem von "Annwyn, Beneath The Waves" stellen seine ersten drei Songs dar; erhabene, mystische, perfekt arrangierte Meisterwerke, der Höhepunkt sicherlich "Cantus". Drei der besten Songs im gesamten Gothic-Umfeld, für sich genommen so strahlend, so sehr Ausrufezeichen, dass die folgenden Stücke nur verblassen können. In seiner Gesamtheit aber dennoch die wohl faszinierendste und spannendste Traumreise im Gothic Rock der 90er.

YouTube - Faith AndThe Muse : Annwyn, Beneath The Waves
YouTube - Faith and the muse - The silver circle
YouTube - Faith And The Muse - Cantus
__________________
When I was young, I invented an invisible friend called Mr. Ravioli. My psychiatrist says I don't need him anymore, so he just sits in the corner and reads.

Geändert von spreewaldgurkenfee (29.11.09 um 12:17 Uhr).
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #59  
Alt 05.12.09, 19:22
Benutzerbild von ode to the sun
Name-Drops
 
Registriert seit: 11.2007
Ort: Osnabrück
Beiträge: 4.368
Geschlecht: Männlich
Vielleicht schreib ich noch was dazu:

The Brian Jonestown Massacre - Methodrone
Eliott Smith - Figurine 8
dredg - El Cielo
PJ harvey - Is This Desire?
Porcupine Tree - In Abesntia
Norma jean - Reedemer
The Appleeseed Cast - Two COnversations
Minus The Beaer - Menos El Oso
Converge - Jane DOe
The xx - xx
Haste The Day - When Everything Falls
Circa Survive - On Letting GO
Further Seems Forever - How To Start A Fire
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
  #60  
Alt 05.12.09, 19:36
Benutzerbild von spreewaldgurkenfee
confuzzled
 
Registriert seit: 08.2008
Beiträge: 3.205
Nachdem ich droben schon wieder schön das Layout zerfickt habe, poste ich meine dieswöchige Lieblingsbeschallung auch mal im robusteren AMF:



Rose Kemp...

...präsentiert sich auf "Unholy Majesty" weitaus weniger zweckmäßig und minimalistisch als noch auf "A Hand Full Of Hurricanes", was die Instrumentierung angeht. Die Riffs klingen, als hätte man das Black Sabbath-Debüt durch den Fleischwofl gedreht (sympathischerweise dankt die Gute im Booklet passend dazu auch dem "Lord Of Metal"; tolle Frau, haha!), die Drums erheben sich aus schlammigen Untiefen, man hämmert eher auf das Keyboard, das eine leichte 70er-Schlagseite in den Sound mit einbringt, und quält es, als dass man leichtherzig psychedelisch auf ihm herumklimpert und die Streicher klingen hier nun so, dass sie mit keinem Ton an die recht biedere Folk-Vergangenheit der Dame erinnern. Über all dem thront aber dennoch immer noch ihr Gesang, der sich immer noch in der sich weit erstreckenden Grauzone zwischen PJ Harvey bis einschließlich und vor allem auf "To Bring You My Love" und Diamanda Galas bewegt, die Instrumentierung trägt die dämonische, theatralische Exzentrik, anstatt ihr die Show zu stehlen. Resultat dieser neuen Herangehensweise ist eine gegenüber dem Vorgänger auf jeden Fall größere Originalität (Singer-Songwriter/Metal ist als Genrebezeichnung auf jeden Fall ein Eyecatcher...) und vor allem wesentlich stringenteres und spannenderes Songwriting. Was jetzt aber nicht heißt, dass Frau Kemp dem Hörer plötzlich Gefallen tut, "Unholy Majesty" ist kaum einen Deut weniger kompliziert, störrisch und zunächst Arme verschränkend als AHFOH. Wie sang sie noch mal in der irgendwie schon ziemlich kitschigen, aber zumindest ehrlichen Klavierballade "Flawless": I have no wish to be perfect, because it holds no appeal.

Ganz sagenhaftes Album einer wahnsinnig interessanten Künstlerin jedenfalls, das, wäre im letzen Moment nicht ein gewisses kanadisches Black Metal-/Drone-Duo dazwischengekommen, gewiss mein Album des Jahres 2008 geworden wäre.

Rose Kemp bei MySpace Music - Kostenlos MP3s anhören, Bilder & Musikvideos ansehen


Da ich nun schon sehnlichst das neue Album "Ankoku Butoh" (scheiß Amazon-lieferverzögerung *tob*) warte, stand die Woche vor allem auch im Zeichen von Faith and the Muse...

...und da lag der Fokus neben "Evidence of Heaven" auf dem 2003er Werk "The Burning Season". Von meiner Meinung, dass es sich um das "schlechteste" Album des amerikanischen Duos handelt, rücke ich keinen Zentimeter ab, dennoch hat TBS mehr zu bieten, als ich eigentlich erwartet habe. Den Esoterikkitsch, das Weltfremde, die Trommeln, Weltmusik-Einflüsse und die Atmosphäre wirft man fast konsequent über Bord, stattdessen experimentiert man verstärkt mit moderneren Rock-Gitarren und Electronica. Das klappt beim Letztgenannten gar nicht mal so gut; den komplett misslungenen Beat von "Whispered In Your Ear" kann weder der wie eh und je wohlklingende Gesang von Monica Richards, noch das barjazzige, als Ohrenbalsam folgende "Gone To Ground" noch retten. Den neuen Gitarrensound aber bindet man meist ganz gut in die Songs ein, er wirkt auf jeden Fall weniger out of place und verloren als die gelegentlichen Deathrock-Gitarren auf "A,BTW" und einige richtige kleine Gofffff-Dissen-Hits gehen auf sein Konto: so zum Beispiel "Sredni Vashtar" sowie "Relic Song", ganz herrlicher hyperaktiver Electrogothpunk, dessen selbstgerechter "Oldschool FTW!"-Text irgendwie leicht peinlich, angesichts der Protagonisten aber auf jeden Fall charmant und glaubwürdig wirkt.
Ein zweischneidiges Schwert jedenfalls, nicht ohne seine Höhepunkte, aber andererseits ist diese neue Bodenständigkeit und Modernität nicht das, was ich von Faith and teh Muse hören möchte.

FAITH AND THE MUSE bei MySpace Music - Kostenlos MP3s anhören, Bilder & Musikvideos ansehen


A propos (die gute Frau Richards hat ja zumindest bei einem Song der "Smoke & Mirrors" mitgewirkt *flöt*): The Eden House...

...haben eine neue Cover-EP plus DVD (habe ich mir noch nicht angeschaut) rausgebracht. Bestes Ohrenbalsam natürlich mal wieder für den, dem das, was aktuell unter dem Banner "Gothic" sein Unwesen treibt, immer mehr zum Hals raushängt, gesanglich mal wieder von Amandine Ferrari, Evi Vine, Julianne Regan (All About Eve) sowie neuerdings auch Tallulah Rendall kongenial veredelt. Andy Jackson leistete hinter den Reglern mal wieder ganze Arbeit, der Sound klingt so perfekt ausbalanciert, wuchtig, transparent und differenziert, wie ich es 2009 in der Form auf keinem Album gehört habe. Würde mich allerdings interessieren, wie ein solch sich immerzu an der Grenze des technisch Möglichen befindender Sound in, sagen wir mal, zehn Jahren auf mich wirkt. Zu den Songs, über die man das bekannte, zwischen Tradition und Moderne pendelnde "'Mezzanine' goes Goth Rock"-Gewand stülpte, zählen "Play Dead", im Original von Björk, Radioheads "Street Spirit" sowie The Velvet Underground - Venus in Furs. Das funktioniert bei "Play Dead" alles ganz super, das Streichermotiv ist wie für The Eden House gemacht, bei "Street Spirit" eher weniger, da die überwältigende Emotionalität irgendwie fehlt, und bei "Venus in Furs" auch, da der Song eine Umarrangierung schlicht nicht nötig hat. Vor allem beim Radiohead-Cover offenbart sich das größte Manko von The Eden House: so oberflächlich sinnlich und unwiderstehlich das Sound-Ambiente auch wirkt, so gut das Händchen für effektives Arrangieren auch ist, dieser bewusst glattgeschliffenen Musik fehlt im Kern das letzte Quäntchen Mut und Tiefe, um auf Dauer mehr zu sein als eine nur zu angenehme Abwechslung und die Band, zu der man greift, wenn man nicht weiß, was man hören will.

The Eden House bei MySpace Music - Kostenlos MP3s anhören, Bilder & Musikvideos ansehen


Fever Ray...

...hat mit ihrem selbstbetitelten Debüt ein ganz und gar sagenhaftes Album veröfentlicht, das in der Endabrechnung ganz weit oben in meinen Jahrescharts landen dürfte.

Zitat:
Der Titel der wohl entrücktesten, außerirdischsten, gespenstischsten, faszinierendsten und rätselhaftesten Platte des Jahres geht an das selbstbetitelte Debüt von Fever Ray alias Karin Deijer Andersson, der weiblichen Hälfte des schwedischen Electropop-Androidenduos The Knife. Die klinisch kalte, streng antiorganische Herangehensweise ihres Hauptbetätigungsfelds weicht Andersson so weit auf, dass das musikalische Fundament immer noch überwiegend aus elektronischen Spielereien gebildet wird, die Beats aber nunmehr viel eher schleichen als aufpeitschen, das Surren, Fiepen, die Effekthascherei deutlich reduziert wurde und im rhythmischen Bereich Elemente reingeschmuggelt wurden, die einen starken Weltmusik-Einfluss aufweisen. Karin Deijer goes Karibikurlaub? Der Gedanke liegt tatsächlich nicht fern.

Referenzen gefällig? Okay, versuchen wir's: Auf dem Papier weist das Dargebotene eine gewisse Nähe zu Björk auf, in der Praxis ist der Vergleich dann eher schon völliger Quatsch. Es ist vielleicht auch gar nicht so weit von Singer-Songwriter entfernt, in den undeutlichen nächtlichen Schattenbildern meint man teils auch, PJ Harvey zu ihrer "Is This Desire?"-Phase erkennen zu können. Teilweise strahlen die Songs (für mich als jemand, der sich im elektronischen Bereich kaum auskennt) eine ähnlich sanfte, verführerische, süchtigmachende Gefahr aus wie manches von "Mezzanine" (exemplarisch: der dräuende, sich beeindruckend aufbauende Schlusstrack "Coconut"). Die weltmusikalischen Experimente (@BFL: ich versuche laufend, das dämliche Wort "Folktronica" zu umgehen) würden auch einen Vergleich zu Bat For Lashes oder auch Dead Can Dance zu Zeiten von "Into The Labyrinth" zulassen - hätte man während der Aufnahme-Sessions das Licht ausgeschaltet und den Protagonisten Valium in den Drink gekippt.
Mit dem Namedropping hätten wir bei der Zielgruppe also schon mal erhöhten Speichelfluss ausgelöst – schleichen aber nun immer noch wie der einsame Wolf um die Beute, ohne ihr auch nur einen Schritt näher gekommen zu sein. Andererseits ist bemühte Sachlichkeit bei einem Album wie "Fever Ray" auch eben genau die falsche Herangehensweise, denn dazu ist das Album nicht gemacht.

Es ist ein Album für die Nacht, viel eher für die einsame Nacht zwischen Wald, Tropfsteinhöhle und leergefegten Straßen als für die Nacht voller Lichter und am Puls des Lebens, wie sie The Knife auf "Silent Shout" teils vertonen. Zwischen Straßenlaternen und unbewohnten Häusern, zwischen Wolfs- und Eulengeheul, steten, matten, vibrierenden Beats irrlichtern schaurig-schöne Melodien, der größte Unterschied zu The Knife besteht darin, dass "Fever Ray"...ja, vielleicht nicht menschlich, aber lebendig, fühlend wirkt. Durch Verfremdung, die hier meist sogar öfter eingesetzt wird als bei The Knife, hat Karin Deijer Andersson jegliche Geschlechtsmerkmale in ihrer Stimme ausgelöscht, dennoch wirkt das Album manchmal ungemein sinnlich und intim. Zwischen gespenstischem Pulsieren finden sich auch Songs wie "When I Grow Up", in dessen Text Andersson in Kindheitserinnerungen schwelgt, und "Seven", bei denen man sich zwar nicht traut, von Clubtauglichkeit oder Pop-Appeal zu sprechen, die aber durchaus Energie und Dynamik entwickeln. Fever Ray vereint Vertrautheit und Entfremdung, so absurd es auf dem Papier auch anmuten mag, teilweise kommen die Songs dem Hörer so nahe, wie Musik einem kommen kann. Das sanfte, umhüllende "Keep The Streets Empty For Me", zu dem auch das wohl schönste und atmosphärisch stimmigste Video des Jahres gedreht wurde, beweist, wie viel Wärme elektronische Musik ausstrahlen kann.

"Fever Ray" ist unaufdringlich genug, um auch nebenbei genossen werden zu können, und doch auch facettenreich genug, um den Hörer jedes Mal vor neue Rätsel zu stellen, selten greifbar, im richtigen Moment zum Greifen nah. Ein so kaltblütiges wie warmherziges Album, das mich jedes Mal aufs Neue zu fesseln vermag.


If I Had A Heart | Video

YouTube - Fever Ray 'Keep The Streets Empty For Me'


Alles audio-visuelle Meisterwerke. *luv*

The Goslings...

...wurden mir irgendwann im Zusammenhang mit The Angelic Process empfohlen. Nachvollziehbar, zumindest in der schwammigen Theorie; Lärm und Melodie mal schön achtlos in den Mixer geworfen, wird schon sowas Ähnliches rauskommen. In der Praxis sieht es dann aber anders aus - erschreckend anders. Bands wie eben TAP und Nadja, die mit Noise-Kaskaden ja eigentlich nicht eben zimperlich umgehen, erscheinen angesichts "Grandeur of Hair" höchst ästhetisch, anmutig und perfekt. Der Klang ist einige Meter zu eisern und rostzerfressen, um noch in irgendeiner Weise schön, ja sogar um noch charmant zu sein, die Melodien tangieren den Begriff "Neoshoegaze", retten in einer Kulisse, in der die Gitarren permanent nach Autounfall klingen und das Drumming sich in einem desolaten Zustand irgendwo zwischen Fiebertraum und Wachkoma befindet, aber auch nichts mehr, sondern machen alles nur noch schlimmer. Wahrscheinlich für Kopfhörer konzipierte Musik, ich habe mich allerdings nicht getraut, sie mir mit Kopfhörern anzuhören, ich habe das Gefühl, dass eine solche Handlung hier ziemlich lebensmüde wäre. "Grandeur of Hair" wirkt auf mich nicht wirklich weniger unverdaulich und nervenzersägend, aber auf jeden Fall faszinierender als beim ersten Mal, und manchmal gibt es sie ja auch, diese speziellen Momente, die für die "Qualen" "entschädigen": "Overnight" ist so einer, klingt so wenig kaputt und so konzentriert, wie es im Goslings-Soundkorsett nur möglich ist, und ist so eine höchst gelungene Symbiose aus Schmerzverursacher und Morphium. Chapeau!

The Goslings bei MySpace Music - Kostenlos MP3s anhören, Bilder & Musikvideos ansehen


Zu Bloody Panda - Summon...

...kopiere ich eben auch mal ein wenig von meiner Buchstabensuppe:

Zitat:
Bloody Panda sind eines der neuesten Pferde im Stall von Profound Lore. Das hört man. Die Band bewegt sich musikalisch zwischen den extremeren, obskureren Randspalten des Doom Metal, schmiegt sich teils an modernere Drone-Vertreter von Nadja bis Sunn O))), taucht ein in sumpfige Gefilde und verneigt sich vor alten Funeral Doom-Helden, dank des Einsatzes einer Orgel am deutlichsten wohl vor Skepticism. Man lässt die Struktur auch mal Struktur und den Rhythmus mal Rhythmus sein, schichtet Soundtexturen übereinander und lässt den Hörer teils auch recht orientierungslos durch das musikalische Labyrinth tappen. Man schert sich auch nicht sonderlich um ein einigermaßen fehlerfreies und geschmeidiges Auftreten, was das Soundbild angeht, klingt, zumindest was die Orgeln angeht, leicht anachronistisch und meist etwas intransparent und setzt in der Hinsicht eher auf lärmig-rissigen Charme denn auf technischen Fortschritt. Die zwischen fünf ("Saccades I" mal nicht mitgezählt) und 21 Minuten pendelnden Stücke bringt man der durchaus vorhandenen Lust am Experiment zum Trotz mit einer Gewissenhaftigkeit und Vehemenz über die Bühne, die einem vor allem im Album-Herzstück "Miserere" (zu dem auch ein experimenteller Kurzfilm gedreht wurde) durchaus Bewunderung abverlangt. Dann noch eine Horror-eske Aura drübergestülpt und fertig ist ein Album, das Leftfield-Doom-Afficionados mit der Zunge schnalzen lässt und schwierig und doppelbödig genug ist, um vor allem den großen Hunger zu stillen.

Vorerst wäre "Summon" somit sehr gut, wenn auch nicht zwingend originell. An diesem Punkt kommt eine gewisse Yoshiko Ohara ins Spiel, vor ihrem Einstieg bei Bloody Panda eher im visuellen Bereich tätig, ohne sonstige professionelle Erfahrungen mit Musik. Und an diesem Punkt wird das Album erst so richtig zu einem Fall von "Love it or leave it"; zumindest sind klarer, entrückter, leicht nasaler Frauengesang und teils englische, teils japanische Texte nicht unbedingt etwas, was auf dem Papier sonderlich gut mit dem dargebotenen Drone/Sludge/Funeral Doom harmoniert. Tatsächlich ist die Beziehung zwischen Gesang und instrumentalem Fundament oftmals schwierig, disharmonisch, von Spannungen durchzogen – in den besten Momenten aber auch funkensprühend kreativ und inspirierend, wie im einundzwanzigminütigen Vorzeige-Songmonster "Miserere". Mit Variationen im Songverlauf geht man vorsichtig und behutsam um, Yoshiko Oharas sirenenartiger Gesang zerrt das bleischwere, träge Stück fast im Alleingang zum Höhepunkt. Sehr gut. Und ja, vor allem in diesem Moment auch richtig besonders.


Bloody Panda bei MySpace Music - Kostenlos MP3s anhören, Bilder & Musikvideos ansehen (neuneinhalbminütiger Ausschnitt aus "Miserere", wird dem Stück natürlich nicht gerecht, aber man erkennt, worum es geht)


Außerdem noch Soulsavers und Amber Asylum.
__________________
When I was young, I invented an invisible friend called Mr. Ravioli. My psychiatrist says I don't need him anymore, so he just sits in the corner and reads.
Mit Zitat antworten Gehe zum Seitenanfang
Antwort


Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Trackbacks are an
Pingbacks are an
Refbacks are an



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 12:30 Uhr.

RSS-Feed für Ihren Newsreader! RSS-Feed für Ihren Newsreader! Diese Seite 

beinhaltet valides XHTML!


© 2016 Alternative-Musik-Forum - Alternative, Independent, Electro, Synthiepop. Alle Rechte vorbehalten.


Powered by vBulletin® Version 3.8.5 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2017, Jelsoft Enterprises Ltd.
SEO by vBSEO 3.5.1 PL1 ©2010, Crawlability, Inc.

Alternative Musik